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    {"id":266,"date":"2015-10-31T22:59:51","date_gmt":"2015-10-31T22:59:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.falco.at\/wordpress\/?page_id=266"},"modified":"2015-11-27T22:44:47","modified_gmt":"2015-11-27T22:44:47","slug":"falcos-rueckschlaege","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.falco.at\/?page_id=266","title":{"rendered":"Falcos R\u00fcckschl\u00e4ge"},"content":{"rendered":"<div align=\"justify\">Im Jahre 1987 zog sich Falco von der \u00d6ffentlichkeit weitgehend zur\u00fcck. Zuviel verlangten die letzten Jahre und vor allem Monate von ihm ab. Er brauchte Zeit, um das Erlebte einigerma\u00dfen verarbeiten zu k\u00f6nnen, und mu\u00dfte wieder seine innere Balance finden. Da Hans H\u00f6lzel der Ansicht war, seinem Kind auch ein St\u00fcck Natur bieten zu m\u00fcssen, begab er sich auf die Suche nach einem Haus im Gr\u00fcnen. In Gars am Kamp in Nieder\u00f6sterreich, eine gute Autostunde von Wien entfernt, fand Hans H\u00f6lzel eine sch\u00f6ne Jugendstilvilla mit rund 4.000 m\u00b2 Garten, der direkt an den Kamp angrenzt. Obwohl sie Adaptierungsbed\u00fcrftig war, gefiel sie ihm auf Anhieb. Er kaufte sie am 11. September 1987 und lie\u00df sie nach seinen Vorstellungen mit viel Liebe in m\u00fchevoller Kleinarbeit renovieren. Ende 1987 meldete sich Falco mit der Single &#8222;Body next to Body&#8220;, die der geb\u00fcrtige S\u00fcdtiroler Giorgio Moroder produzierte, bei seinen Fans zur\u00fcck.<\/p>\n<p> Falco nahm diesen Song gemeinsam mit der D\u00e4nin Brigitte Nielsen auf. Das Duett war Berechnung, wie Falco sp\u00e4ter gestand: &#8222;Mit ihr wollte ich nie in die Hitparade, mit ihr wollte ich nur ins Bett!&#8220; Der Erfolg der Single blieb aus, Falco sprach von einer &#8222;miserablen Platte&#8220;. &#8222;Aber die Zeit mit ihr war es wert, die 14 Tage St. Tropez haben sich gewaschen. Es war ein Deal.&#8220; Falco war auf der Suche nach einem neuen Produzenten, da er sich von den Gebr\u00fcdern Bolland &#8222;wegen unversch\u00e4mter Forderungen und schwacher Demob\u00e4nder&#8220; getrennt hatte. Das Produzentenduo Gunther Mende und Candy De Rouge schienen Falco wieder auf anraten von Horst Bork f\u00fcr sein neues Album genau richtig zu sein. Im M\u00e4rz 1988 war die LP &#8211; sie sollte urspr\u00fcnglich &#8222;Aya&#8220; hei\u00dfen; es sind die letzten drei Buchstaben des Singletitels &#8222;Himalaya&#8220; &#8211; fertig. Falco, der einen un\u00fcberwindlichen Drang zum Perfektionismus hatte als auch die Teldec waren jedoch mit dem Ergebnis nicht zufrieden, man verwarf einen Gro\u00dfteil der bereits fix und fertig produzierten Songs und kehrte reum\u00fctig zu Rob und Ferdi Bolland zur\u00fcck, mit denen er das Album fertigstellte. Es hei\u00dft nun &#8222;Wiener Blut&#8220; und enth\u00e4lt sechs von den Bollands und vier von Mende\/De Rouge produzierte Nummern.<\/p>\n<p>Die Titelnummer &#8222;Wiener Blut&#8220; war schon zur Zeit von &#8222;Rock me Amadeus&#8220; aufgenommen worden, kam jedoch nicht auf das Album &#8222;Falco 3&#8220;. Sie hie\u00df damals noch &#8222;Medizin&#8220; und hatte einen ganz anderen Text. Falco griff diese alte Nummer wieder auf, verpa\u00dfte ihr einen neuen Text wie auch Titel und spielte sie f\u00fcr sein neues Album in neuem Gewand ein. Das Album &#8222;Wiener Blut&#8220; kam im Sp\u00e4tsommer des Jahres 1988 heraus &#8211; die Verkaufszahlen blieben weit hinter den Erwartungen zur\u00fcck. Die geplante Europatournee mu\u00dfte mangels Publikumsinteresse abgesagt werden. Falco \u00e4u\u00dferte sich sp\u00e4ter immer abf\u00e4llig \u00fcber dieses Album, er hatte zu diesem sicherlich den wenigsten Bezug von all seinen Werken.<\/p>\n<p>Am 17. Juni 1988 heiratete Hans H\u00f6lzel Isabella Vitkovic heimlich in Los Angeles. Nicht einmal die wichtigste Frau in seinem Leben, seine Mutter, wu\u00dfte davon. Falco: &#8222;Ich habe sie nur wegen des Kindes geheiratet.&#8220; Im November 1988 war Falco v\u00f6llig am Boden, physisch wie psychisch: Seine LP ein Internationaler Flop, seine Tournee abgesagt, seine Alkoholprobleme unbew\u00e4ltigbar und seine Ehe am Scheitern &#8211; er bricht aus und tritt eine &#8222;Flucht&#8220; rund um den Erdball an. Viereinhalb Monate lang wu\u00dfte niemand, wo er sich befand. Er wollte sein Leben neu positionieren, wieder in die richtigen Bahnen lenken. Nach seiner R\u00fcckkehr setzte Hans H\u00f6lzel einen Schlu\u00dfpunkt, packte 3,8 Millionen Schilling in einen schwarzen Koffer, fuhr nach Graz und stellte seiner Ehefrau die alles entscheidende Frage: &#8222;Geld oder Ehe?&#8220; &#8211; Die Antwort war klar, und nach 309 traurigen Ehetagen erfolgte 1989 die einvernehmliche Scheidung.<\/p>\n<p>Nach dieser Wende beschloss Falco im Sommer 1989 wieder \u201eKontakt\u201c zu Robert Ponger herzustellen und gestaltete mit  Hilfe von  alten Bandmitglieder, einigen deutschen und \u00f6sterreichischen Studio- und Gastmusikern im ablaufenden Jahr 1989 einen Comebackversuch und nahm in Koproduktion mit Robert Ponger, dem Produzenten seiner ersten beiden Platten, das \u201efuturistisch-erdige\u201c Album &#8222;Data de Groove&#8220; auf. Falco entwickelte f\u00fcr die Texte der Songs eine dem Computerzeitalter entsprechende Kunstspr ache: &#8222;Ich mein: Ich-Mich-Du-Dich-Ich-Mein. Du dein so allein, so allein zu sein. Und so weiter.&#8220; Aber der  internationale erhoffte Charterfolg im Jahre 1990, den Falco und insbesondere Hans H\u00f6lzel so dringend gebraucht h\u00e4tte, blieb abermals trotz guter Gesamtverkaufszahlen aus. &#8222;Es war ein sehr introvertiertes aber gut produziertes Album und ich habe mich ein bi\u00dfchen in zu anspruchsvolle Wortspiele verstiegen&#8220;, sagte Falco r\u00fcckblickend. Nach Ablauf seines Vertrages 1991 zwangen Gig und Teldec Falco noch zu einem Greatest Hits\/ Remix Album welches Gro\u00dfteils in Wien produziert wurde und einige wenige gelungene  Neuversionen enthielt zu denen Falco sogar 2 Titel neu einsingen musste. Des weiteren wurde er von den Bollands f\u00fcr 2 Songs ihres Konzeptalbums \u201e Darwin the Evolution\u201c eingeladen wo beide Seiten wieder zarte Bande schlossen.<\/p>\n<p>Nach dem Wechsel von Teldec zu EMI Electrola hob der Falke im Sommer 1992 zum &#8222;Nachtflug&#8220; ab. Das Album &#8222;Nachtflug&#8220; lie\u00df Falco dann wieder vom Erfolgsduo Rob und Ferdi Bolland produzieren. Falco: &#8222;Das Album stellt die Summe der letzten zehn Jahre meines Lebens dar.&#8220; Der Song &#8222;Titanic&#8220;, ein kalkulierter Hit nach Inspiration von Vivaldi &#8211;  nahm sofort nach Ver\u00f6ffentlichung den ersten Platz der \u00f6sterreichischen Hitparade ein und befa\u00dft sich mit einer Weltgesellschaft, die sich darauf verl\u00e4\u00dft, da\u00df ihr im Fallen die Fl\u00fcgel wachsen, &#8222;Nachtflug&#8220;, der absolute Lieblingssong Falcos, ist ein Psychogramm von Hans H\u00f6lzel: &#8222;Das bin ich. Da geht es um das Verh\u00e4ltnis zwischen Mann und Frau, wie ich es momentan sehe.&#8220;<br \/>\n&#8222;Nachtflug&#8220; wurde zwar vom Publikum sehr gut angenommen &#8211; Falco bekam Platin daf\u00fcr verliehen -, jedoch gelang es Hans H\u00f6lzel auch mit diesem Album nicht, an seine gro\u00dfen fr\u00fchen Erfolge anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1993 ging Falco nach sechs Jahren erstmals wieder auf Tournee. Da er sich nach den langen Jahren seiner Live-Absenz nicht im klaren dar\u00fcber war, wie gro\u00df seine Fangemeinde ist, entschied er sich daf\u00fcr, in Konzerts\u00e4len kleinerer und mittlerer Gr\u00f6\u00dfe zu spielen. Auf dem Tourplan standen \u00fcberwiegend St\u00e4dte in \u00d6sterreich, aber auch Konzerte in Deutschland, der Schweiz und sogar in Ru\u00dfland standen auf dem Programm. Die Tournee wurde ein gro\u00dfer Erfolg f\u00fcr Falco, der ihn befl\u00fcgelte. Wer sich Filmaufnahmen seiner Konzerte ansieht, dem wird klar, da\u00df Hans H\u00f6lzel nur auf der B\u00fchne, wo er die Liebe seiner Fans sp\u00fcrte, richtig gl\u00fccklich war. An diesem Platz lebte er auf.<\/p>\n<p>H\u00f6hepunkt war sein letzter \u201egro\u00dfer\u201c Live Auftritt am 27. Juni 1993 im Rahmen des Wiener Donauinselfestes, wo \u00fcber 100.000 Menschen das vielleicht beste Konzert des Falken, der an diesem Abend &#8211; angetrieben durch seine begeisterten Fans &#8211; zur H\u00f6chstform auflief, miterlebt hatten. Es wird vielen in unausl\u00f6schlicher Erinnerung bleiben. Im Herbst des Jahres 1993 mu\u00dfte Hans H\u00f6lzel wohl den schwersten Schicksalsschlag seines Lebens erfahren. Weil er schon lange Zweifel an seiner Vaterschaft von Katharina Bianca hegte, entschied er sich zu einem Vaterschaftstest, der ihm Klarheit bringen sollte. Und er brachte sie: Hans H\u00f6lzel war nicht der Vater von Katharina Bianca. Nach au\u00dfen hin zeigte er nicht, wie sehr ihn diese Dem\u00fctigung verletzte, &#8222;doch es war das \u00c4rgste, was ihm in seinem ganzen Leben passiert ist. Das hat er bis zu seiner letzten Stunde nicht verkraftet&#8220;, sagt sein Freund Billy Filanowski. Maria H\u00f6lzel: &#8222;Wenn dem Hans im Leben jemand weh getan hat, dann war es Isabella!&#8220; Diese schmerzliche Erfahrung beeinflu\u00dfte seine Beziehung zu all seinen sp\u00e4teren Frauen nachhaltig.<\/p>\n<p>Der durch private und berufliche R\u00fcckschl\u00e4ge sehr verletzte sowie verunsicherte Mensch Hans H\u00f6lzel zog sich immer mehr in sein Refugium in Gars am Kamp, das sein kleines Paradies war, zur\u00fcck, wo er seine Krisen besser zu bew\u00e4ltigen glaubte. Seine immer wieder aufkommende Schwermut bek\u00e4mpfte er mit Psychopharmaka, die er mit Alkohol hinuntersp\u00fclte. Um sich abzulenken, arbeitete er geradezu verbissen an einem neuen Album, mit dem er unbedingt sein internationales Comeback schaffen wollte. Als er jedoch 4 neue  Songs &#8211; darunter &#8222;Verdammt wir leben noch\u201c und &#8222;Dame Europa&#8220; &#8211; in einem relativ unfertigen Zustand seiner Plattenfirma pr\u00e4sentierte, war die Reaktion darauf: &#8222;Na ja, ganz nett, aber was h\u00e4ltst du von Techno?&#8220; F\u00fcr Falco, der sich viel von diesen Nummern versprach, war dies ein harter Schlag, noch dazu, wo er wenig von Techno hielt.<\/p>\n<p>Doch Falco bewies, da\u00df er sich auch im musikalischen Zeitgef\u00fchl der neunziger Jahre behaupten kann, und brachte 1995 unter dem Pseudonym T>>MA &#8211; ein Wortspiel zu &#8222;Thema&#8220; &#8211; bei einem anderen Label den Song &#8222;Mutter, der Mann mit dem Koks ist da&#8220; als Coverversion eines Schlagers aus den drei\u00dfiger Jahren heraus. Falco spielt im Text dieses Liedes, das durch schnelle Techno-Beats gekennzeichnet ist, permanent mit den Doppelbedeutungen der Worte &#8222;Kohle&#8220; und &#8222;Koks&#8220;. Falco: &#8222;Ich m\u00f6chte ununterbrochen sehen, wie weit ich gehen kann und ob ich damit durchkomme. Ganz einfach. Diese Nummer ist nichts anderes als nonkonformistische Provokation.&#8220; Der Song bescherte Falco gute Chartplazierungen in \u00d6sterreich und Deutschland und brachte ihn auf die Playlist von VIVA.<\/p>\n<p>Am 22. April 1995 stellte sich Falco, der eine sehr gro\u00dfe Liebe zur Poesie hatte, in den Dienst der guten Sache und trat neben H. C. Artmann, Wolfgang Bauer und Konstantin Wecker bei der Benefizveranstaltung &#8222;Nacht der Poesie&#8220; zur Rettung der Wiener Schule f\u00fcr Dichtung in den Sophiens\u00e4len auf. Au\u00dferdem leitete Falco im Rahmen der April-Akademie 1995 abseits der \u00d6ffentlichkeit ein Werkstattgespr\u00e4ch mit dem Titel &#8222;Schreibt Falco Texte? Wenn ja, wie?&#8220; &#8211; Ein stiller H\u00f6hepunkt in Falcos Karriere.<strong><\/p>\n<h5><a href=\"https:\/\/www.falco.at\/#bio\" title=\"Biographie\">>>zur\u00fcck zur BIOGRAPHIE<<<\/a><\/h5>\n<p><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahre 1987 zog sich Falco von der \u00d6ffentlichkeit weitgehend zur\u00fcck. Zuviel verlangten die letzten Jahre und vor allem Monate von ihm ab. Er brauchte Zeit, um das Erlebte einigerma\u00dfen verarbeiten zu k\u00f6nnen, und mu\u00dfte wieder seine innere Balance finden. 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